Design eines Color Grading Studios

Anfang des Jahres habe ich, mit einigen Kollegen, einen neuen Space bezogen. Während viele Artikel und Bücher sehr ausführlich die technischen Komponenten wie Bildschirme, Grading-Panels und die perfekte Mischung von grauer Farbe behandeln, ist mir doch ein Mangel an Lektüren aufgefallen, der sich mehr inhaltlich mit dem Aufbau und der Gestaltung einer Suite befasst.

Deshalb dachte ich, ich fasse meine Erfahrungen beim Bau meines Studios zusammen und biete so Einblick in meine Gedanken, die ich bei der Planung hatte und welche Aspekte ich dabei beachtet habe. Ich werde nicht groß auf technische Aspekte eingehen, sondern mich mehr auf das Design konzentrieren.

Wie groß soll es werden?

Zuerst braucht man natürlich einen Raum in dem man seine Suite aufbauen kann. Ein Schnittplatz oder ein Tonstudio haben andere Vorrausetzungen als ein Grading Studio. Eigentlich nur eins: Glatte Wände und im besten Fall keine bis wenige Fenster.

Oft ist es so, dass man eher die Suite nach dem einem verfügbaren Raum wählt. Aber man sollte eher die Größe des Raumes nach der Art der Arbeit wählen. So haben wir uns mehrere Möglichkeiten angeschaut und am Ende für ein Studiospace mit drei getrennten Räumen entschieden.

Da ich hauptsächlich Werbung grade und diese zum Großteil Online oder im Fernseher läuft, war die Größe von 15qm ausreichend. Hätte ich hauptsächlich Spielfilme oder Dokumentarfilme gegradet, wäre ein Raum von mind. 30qm um die Projektionsfläche und notwendige Distanz zum Bild herzustellen. Hierbei sei zu beachten, dass die Bildfläche für den Zuschauer, in diesem Fall der Kunde, in etwa 70° seines Blickfelds einnimmt. Dies ist die Ideale Ausbeutung des menschlichen Wahrnehmungsfelds. Alles breiter als 70° und wir müssen anfangen mit unseren Augen zu scannen. Man kennt es, wenn man zu nah am im Kinosaal sitzt. Entweder das Bild wirkt nicht, da es zu klein ist oder zu groß und die Augen werden schnell müde, da man ständig hin und her schauen muss. Wir streben immer nach dem 70° Winkel.

Wenn der Kunde also hinter einem sitzen muss und einem nur über die Schulter schaut, nimmt nur einen Bruchteil seines Blickfeldes ein. Ein wenig wie als würde man sein Smartphone vor sich, auf Armlänge, halten. Oft resultiert das in der Frage nach übersättigten Farben oder extremem Kontrasten – der Youtube-Effekt. Und häufig folgt am nächsten Tag ein Anruf und die Bitte nach einer Endsättigung und Kontrast Entnahme.

Um so unnötigen Stress, für meine Kunden und mich, zu ersparen, habe ich mich entschieden die Suite so aufzubauen, dass der Kunde immer das Bild im korrekten Abstand und Winkel erleben kann.

Color-Grading-Suite-Axel-Rothe

Der Aufbau

Bis vor kurzem waren 55“ Panels in Referenzklasse unbezahlbar. Und während man auch jetzt noch 20.000€ für einen Monitor hinlegen kann, muss man sich Fragen ob, dass einem seine Kunden überhaupt bezahlen können. Es ist zwar toll einen 55“ Klasse 1 OLED Panel zu haben, aber nicht wirklich hilfreich, wenn dadurch die Preise der Suite pro Tag um 1000€ steigen und keiner mehr die Suite buchen kann. Dank neuester OLED Technologie kann man jetzt in bezahlbaren Niveau in Panels investieren, die sich auf bis zu 99% DCI-P3 kalibrieren lassen. Voraussetzung dazu ist allerdings eine LUT-Box und eine professionelle Kalibrierung.

Durch die nun bezahlbaren Panels, konnte ich die Suite so aufbauen, dass mein Kunde und ich, denselben Display betrachten. Dies verhindert das Entstehen von dem so genannten Metamerism. Ein Effekt der erklärt, weshalb zwei kalibrierte Monitore unterschiedlich aussehen, wenn man sie parallel betrachtet. Dies lässt sich nur verhindern, wenn entweder Kunde und Colorist getrennte Monitore anschauen oder beide Denselben anschauen. Die Lösung ist eine Frage der Präferenz. Viele Coloristen bevorzugen getrennte Displays. In meinem Fall wollte ich lieber ein großes Panel nutzen. Zum einen aus Kostengründen und zum anderen, da es für die Gesundheit der Augen besser ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Hintergrundbeleuchtung, auch Bias Lighting genannt. Dies schont die Augen und hilft den wahrnehmbaren Kontrast des Bildes zu erhöhen. Da das Panel so nicht in der Dunkelheit verschwindet und es den Augen einen Kontrast gibt, auf den sie sich fokussieren können. Die Beleuchtung muss sich an die Farbtemperatur des Panels anpassen. Hierzulande sind das 6500K. Dabei kann man entweder sehr hochwertige Leuchtstoffröhren oder auf spezielle LED-Streifen, wie die von Medialight, zurückgreifen. Wichtig ist, dass im gesamten Raum, keine minderwertigen Lampen oder eine andere Farbtemperatur als 6500K herrscht. Raumlicht schaltet man am besten aus, und nutzt indirekte Beleuchtung durch hochwertige Lampen. Fenster sollten abgehangen werden.

Bei der Beleuchtung des Hintergrundes ist es auch wichtig, dass alles hinter dem Panel neutral ist. Man kann bei Wandfarben und Vorhängen einen Color Checker, wie den X-Rite Video Color Checker, danebenhalten um zu überprüfen, dass sich in der grauen Farbe kein Farbstich reingeschlichen hat. Augen gewöhnen sich äußert schnell an Farben und erstellen ihren eigenen Weißabgleich. Ähnlich einer Kamera, die bei grünen Industrieanlagen den Stich korrigiert, aber bei demselben Abgleich im Raum neben an ein modernes Kunstwerk aus Magenta zaubert.

Wohlfühlprogramm

Teilweise können Sessions einen oder mehrere Tage dauern. Die Arbeitsatmosphäre sollte, also dementsprechend angenehm sein und eine konzentrierte Arbeit ermöglichen.

Eine Ablagemöglichkeit für Notizen und Laptop sind von Vorteil. Eine (saubere) Küche wo man einen Snack servieren kann ist bei langen Sessions ein Must-Have.

Color Grading Sessions haben immer etwas von Therapie. Es ist immer der letzte Schritt und die Filmschaffenden haben so viel Arbeit in das Projekt investiert. Jedes Bild hat eine Backstory. Teilweise sind die Entstehungsgeschichten, spannender als der Film selbst. Wenn man seinen Kunden auf einen gemütlichen Sessel oder ein Sofa sinken lässt, wird man bald viel über die Herausforderungen, Streitereien am Set, anstrengende Kunden, kreative Krisen und interne Konflikte erfahren. Das ist okay und ich ermögliche gerne meinen Kunden, die Sessions als Art Abschluss für ein Projekt zu nutzen. Daher ist mir eine Atmosphäre, die den Regisseur oder Kameramann, kurz runterkommen und alles andere vergessen lässt wichtig.

Hier finde ich auch die Wahl der Möbel als entscheidend. Zwar sollte der Raum grundsätzlich neutral sein, es spricht aber nichts dagegen ein wenig subjektive Wärme in den Raum zu bringen, solange der Raum insgesamt farblich balanciert ist. Ich habe mich also entschieden den Holzdielenboden aufzugreifen und die Möbel in "unbehandelter" Optik zu belassen.

Scopes.jpg

Arbeitsplatz

Der Arbeitsplatz selbst, ist bei meinem Aufbau, direkt hinter dem Kunden gelegen. So sitzt der Kunde etwas näher am Bild und bekommt das Kinofeeling, während ich etwas höher sitze und das Bild zwischen meinen beiden UI Monitoren Platz findet. Auf Grund der Distanz ist das Bild für mich etwa so groß wie ein 30“ Monitor, aber da es tiefer im Raum sitzt, müssen meine Augen nicht durchgehend ein nahes flaches Objekt fokussieren. Durch den häufigen Wechsel des Blickes, z.B. zwischen Scopes und Referenz, können die Augen immer wieder neu fokussieren. Das ist gut für die Augen und stellt sicher, dass einem nicht irgendwann die Arbeitsgrundlage, das Auge, verloren geht.

Die Tischplatte ist passend zugesägt und bearbeitet. Drei Löcher, je einen hinter den Monitoren und eins hinter dem Grading-Interface, ermöglichen die Kabel zu verstecken und insgesamt einen aufgeräumten Look zu bekommen. Ein sauberer Schreibtisch, ist besser für den Flow.

Als Interface nutze ich das Tangent Element in vollständiger Ausführung. Ich bevorzuge es zu dem Mini Panel von Blackmagic, da ich Aufteilung der Knöpfe und Räder in der Breite besser finde, als in die Tiefe. Beides sind hochwertige Panels und kosten in etwa gleich viel. Wichtig ist hier eigentlich nur die Verarbeitung und die Möglichkeit Präzise zu arbeiten. Als Ergänzung zu dem Panel, habe ich noch ein Streamdeck. Dies ist ein programmierbares Panel mit 15 LCD Buttons, also Buttons mit kleinen LCDs drauf. Es ist ziemlich praktisch, da man die Knöpfe frei belegen kann und so ein paar Shortcuts bauen kann. Zum Beispiel habe ich mir Versionen und Nodes + Masken Short Cuts gebaut und muss mir so nicht die Tastenkürzel merken oder mit der Maus hantieren, was den Flow unterbrechen würde.

Als Maus benutze ich einen Trackball. Diese sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber sie haben einen klaren Vorteil: Sie bewegen sich nicht. Wenn man im Flow ist, will man nicht nach der Maus suchen, sondern genau wissen, wo man seine Hand hinlegen muss.

Genauso wichtig wie das Sofa für den Kunden, ist auch der Stuhl hinter dem Arbeitsplatz. Meine Ärztin meint am Stuhl sollte man niemals sparen. So habe ich mich nach einer Beratung im lokalen Bürostuhlladen, für einen Löffler Stuhl entschieden. Er hat eine patentierte Sitzoberfläche, die sich mit dem Gesäß bewegt und so eine verkorkste Sitzhaltung verhindert. Besonders, wenn man oft zwischen mehreren Monitoren und Interfaces hin und her schaut, ist dies vom Vorteil. Bevor ich den Stuhl hatte, hatte ich immer Beinschmerzen, weil ich mir meine Beine abgeklemmt hatte.

Fazit

Beim Aufbau meiner Grading Suite habe ich viel darauf geachtet, dass der Flow niemals unterbrochen wird. Ein paar Sekunden hier und da, sind hochgerechnet auf eine Session schnell eine halbe Stunde. Das können einige Masken sein, die man deshalb nicht setzen konnte.

Es gibt viele Wege ein Grading Studio einzurichten. Dies richtet sich vor allem nach der Art der Projekte und ob Kunden zu Sessions vorbeikommen. Dank neuer Technologien, kann man Suites mehr wie Grading Kinos gestalten, ohne dabei unbezahlbar zu werden.