Tageszeitwechsel im Take

Heute schauen wir uns einen Breakdown eines Kurzfilms an, welchen ich vor kurzem in Berlin als Kameramann begleitet habe. Der Film handelt von den letzten Momenten einer Ehe, beide Protagonisten versuchen an sich festzuhalten, aber müssen lernen loszulassen. In der Vorbereitung wurde uns schnell klar, dass wir diese Geschichte nicht klassisch auflösen können. Stattdessen muss die Bildgestaltung den Verlauf der Geschichte subtil begleiten, um dann dem sehr stilisierten Rückblick Raum zu geben.

Lichtskizze zum Kurzfilm "Nach dem Regen"

Lichtskizze zum Kurzfilm "Nach dem Regen"

Die Kamera sitzt auf einer Dolly, welche sich schräg zum Raum bewegt. So entwickelt der Raum während der Fahrt am meisten Tiefe. Während sich die Protagonistin unterhalten, eröffnet die Kamera den Raum um sie herum und distanziert sich so von dem Geschehen, und unterstreicht die distanzierte Unterhaltung zwischen den beiden Ex-Partnern. Erst nach dem Rückblick, nähern wir uns wieder der Handlung, als beide sich öffnen und zueinander finden.

Mir war es wichtig, mit dem Licht, die inneren Gedanken der Protagonistin nach außen zu kehren. Sie reist durch die Zeit an dem Moment in der Ehe wo sie zerbrach. Das Licht sollte also auch in der Zeit zurück wandern.

Oberbeleuchter David Bochmann entwickelte ein Lichtkonzept, dass die Sonne durch den Raum wandern ließ. Wir setzten HMIs ein, welche wir auf Hausstrom nutzen konnten, da wir keinen größeren Generator oder einen Baustromanschluss an der Location hatten.

Die Location musste im Erdgeschoss sein und eine Terrasse bieten, wo David seine Konstruktion aufbauen konnte. So endete die Entscheidung bei einem Einfamilienhaus in Berlin, mit großer Terrasse und bezaubernden Wintergarten, der für den Rückblick relevant wird.

Gedreht haben wir auf der Sony FS7 mit Compact Primes.  Geschnitten und Finishing in Premiere. Color Graded habe ich den Film später in meiner Suite auf Davinci Resolve 12.5 Studio.

Wir beginnen mit einem normalen Sommertag, die Sonne steht steil am Himmel und wirft auf den Hintergrund, durch die große Zimmerpflanze eine Struktur gegen die Wand. Am Drehtag selbst war es, zu unserem Vorteil, bewölkt. So konnten wir mit einer 2,5K HMI die Sonne selbst setzen. Die „Sonnenkante“ setzte eine 1,2er von ¾ Hinten. Diese wurde während des Wechsels nicht bewegt und bietet eine kontinuierliche „Sonne“. Dies war wichtig, da wir unseren Lichtwechsel hauptsächlich auf dem Hintergrund passieren lassen.

Um den Effekt der untergehenden Sonne zu verstärken, spannten wir ein paar CTS Bahnen. Dies erwies sich als schwieriger als gedacht. Verstärkte aber den Verlauf für den In-Camera-Effekt noch mehr.

Der eigentliche Lichtschwenk, wird durch eine 2,5er auf einem Boomstand ausgeführt. Wenn der Cue kommt, wird der Stand herum geschwungen. So bewegt sich die „Sonne“ auch wirklich parallel zum Fenster und erzeugt wandernde Schatten.

In Bewegung funktioniert das Ganze dann ziemlich gut und gibt den Weg frei, für den Rückblick. Nicht eingezeichnet in die Skizzen ist ein ganzer Wald an Netzen und Flaggen, um das Licht während des Schwenks zu kontrollieren.

Im Großen und Ganzen, hat der Effekt ziemlich gut funktioniert. Ideal wäre es gewesen, mehr als nur einen Lichtwechsel zu haben und so zu sagen, durch mehrere Tage durch zu wechseln. Dafür hätten wir um die Fenster komplette Blackboxes bauen und nur mit Kunstlicht arbeiten müssen. Dies war bei unserem Zeitbudget nicht möglich.

Das Ergebnis lässt sich hier anschauen: